Steigende Nachfrage für kleinere Einfamilienhäuser

Postmaster Immobilien und Finanzierung

19.10.2020 – Auch wenn die Mehrheit nicht in den eigenen vier Wänden lebt, träumen viele Menschen vom Eigenheim. Auf Immobilienportalen laufen derzeit 10’300 mehr Suchabos für Einfamilienhäuser als zum gleichen Zeitpunkt 2019; dies zeigt eine Auswertung der Immobilienberater von Wüest Partner.

Dass das Interesse an Einfamilienhäusern dermassen wächst, erscheint paradox. Denn in diesen zwölf Monaten sind die – bereits hohen – Preise weiter angestiegen: Mittelgrosse Objekte wechseln zu 3,3 Prozent höheren Preisen die Hand als noch Mitte 2019.

Viele Häuser in und im Umkreis der Zentren sind auch für Normalverdiener unerschwinglich geworden. Deshalb sind kleine Objekte heute besonders gesucht. Die steigenden Preise haben also durchaus Einfluss auf den Markt – wer sich nach einem Haus umschaut, ist bereit, bei der Fläche Abstriche zu machen.

Allerdings sind gar nicht so viele kleine Häuser im Angebot, um das starke Interesse zu befriedigen. Im April waren lediglich 3,1 Prozent aller Einfamilienhäuser zum Verkauf ausgeschrieben. Und das typische Schweizer Haus ist mit einer Wohnfläche von deutlich über 150 Quadratmetern auch schlicht zu gross. Viele Menschen suchen Objekte mit einer Fläche zwischen 100 und 140 Quadratmetern – das Interesse übersteigt das Angebot um das Vierfache. Bei den grossen Häusern ist die Schere zwischen Angebot und Nachfrage weniger gross.

Das Traumhaus darf auch klein sein: Dieser Trend dürfte Bestand haben, denn die Preise steigen weiter: Um 0,5 Prozent im aktuellen Jahr, schätzte Wüest Partner.

Quelle: cash.ch

Ein anderer Effekt dürfte dabei auch eine Rolle spielen: Die Haushaltsgrösse. Die Zahl der Privathaushalte lag in der Schweiz Ende 2019 bei 3,81 Millionen. Die durchschnittliche Grösse eines Haushalts betrug 2,21 Personen. Am geringsten war die durchschnittliche Haushaltsgrösse mit 1,95 Personen im Kanton Basel-Stadt, am höchsten war sie in den Kantonen Appenzell Innerrhoden (2,43 Personen), Genf und Freiburg (jeweils 2,37 Personen). Gemäss Bundesamt für Statistik sehen die Haushaltsstrukturen wie folgt aus:

  • 5 Personen und mehr: 14%
  • 4 Personen: 23%
  • 3 Personen: 18%
  • 2 Personen: 30%
  • 1 Person: 16%

Insbesondere die Haushalte mit einer oder zwei Personen haben in den letzten Jahrzehnten massiv zugenommen und machen schon fast die Hälfte aller Haushalte aus.